Einen wundervollen Montag liebe Welt.
Skizzentour, was ist das? Wie plant Frau das? Und was nimmt Sie mit?
Ich dachte mir heute so bei dem Wetter, ich erzähle euch mal die Story vom schwarzen Hund bzw. Skizzenbuch und wie ich es in Rom ein Stück gefüllt habe.
Die Tour nach Rom war damals 1997 eine spontane Geschichte, jedoch das Ziel Rom und dort den Pinsel zu schwingen fast ein Jahr ein Ziel und Traum.

- Kolosseum – Aquarell
Im Vorfeld ging es schon los. Was nehme ich mit?
Im Fernsehen wurde ich auf den Hartschalenrucksack Bubblebee aufmerksam. Sehr praktisch, großer Stauraum und eine Regenfeste Membran, die leicht über die Öffnung gestülpt werden kann, um den Inhalt Regen fest zu machen. Ok, ich gebs zu. Dass es in Rom im Juli sturzbachartig regnet, ist nicht die Regel. aber es ist wirklich bescheiden, mitten vom Regen überrascht zu werden und dann zu hoffen, dass nix verlaufen ist
Das einzige Manko bei dem Rucksack, er ist schwer, fast 2 kg im Leergewicht und mit Farben und Malutensilien bestückt kam ich mir fast vor wie ein Packesel im Gebirge.
Aber gut, ich hab ihn mitgenommen und zudem 2 Skizzenbücher, Mäppchen mit Bleistiften und Rapidographen, Aquarellkasten, Tuschefässchen, Kreiden, Pastellstifte, FarberCastell Pitt Stifte, Lappen, ein Behältnis für Wasser, Pinselmappe, SChwamm, Fixierspray weil Kreide sonst zu sehr verschmiert im Buch. Warum zwei Skizzenbücher? Eins für Zeichnungen und eins für Aquarell, da muss das Papier dicker sein. Es gibt auch inzwischen ein Skizzenbuch das beides vereint.
Klingt nach viel, ist es auch, aber für mich eher eine kleine Auswahl an Utensilien, denn ich entscheide auch gern vor Ort, womit ich malen will, denn alles hat seinen Reiz und verleiht den Bildern etwas typisches.
Koffer sind gepackt, Ticket liegt bereit, der Rest auch, also kann es ja losgehen Sonntag, 15.07.2007 in der früh, Ankunft in Rom in einem kleinen Hotel am Bahnhof 10:30. Hab dann meine Sachen schnell irgendwo hin geschmissen, Rucksack mit Malutensilien geschnappt und ab Richtung Kolosseum.
Gegen 11 Uhr stand ich staunend vor dem riesigen Koloss und hab mich gleich Mal nach einem Platz zum malen umgesehen, was gerade in der Hitze und wegen den Menschenmassen nicht so leicht war. Wichtig war mich auch Schattenplatz, also hab ich kurz umdisponiert und bin ins Forum Romanum gegangen. Dort hab ich mich am Antiquarium Forsense mit Blick auf das Kolosseum unter einen Baum gesetzt und (endlich) zum ersten mal in Rom die Malsachen ausgepackt. Ich hab mich hier für Kreide in Erdtönen entschieden, um dem antiken Touch mehr gerecht zu werden. Beim Skizzieren im Freien ist eins Wichtig – egal, was die Leute sagen, sich nicht verrückt machen lassen und einfach seine Zeichnung oder Skizze anfertigen. Da ich schon von klein auf immer vor Publikum, Freunde oder Lehrer gemalt habe, ist mir das schon in Fleisch und Blut über gegangen und ich sehe nur das Motiv.

- Forum Romanum Severus-Septimus-Bogen – Kreide teilweise mit Wasser vermalt
Auch wichtig ist, sich auf das wesentliche zu beschränken und mit wenigen Strichen den Eindruck festhalten. Eventuell noch Randnotizen, um sich später zu erinnern. Es geht bei einer Skizzentour nicht um ein fertiges Kunstwerk, sondern Eindrücke von einer Reise mitnehmen. Sonst habt ihr am Ende drei Bilder perfekt, was zwar auch gut ist, aber den Skizzenlerneffekt zu nicht macht. Zudem schult das schnelle Zeichnen Hand und Auge. Im Forum selbst hab ich 5 Skizzen angefertigt, überwiegend mit Kreide oder Wasservermalbare Kreide, auch mit Ansichten aufs Kolosseum, teilweise auf nassem Papier bzw. mit Wasser vermalt. Warum nur so wenig? Tja, ich bin nicht der Typ, der sich irgendwo hinpflanzt und dann mal alles, was er sieht malt, ich will möglichst immer die Position wechseln, was anderes malen. Deswegen hieß es jedesmal Schatten suchen, schauen, ob der Anblick von der Schattenstelle aus au noch gut sichtbar ist, auspacken, malen, einpacken weiter. Aufwendig, aber hat sich für mich gelohnt.
Ich bin vom Forum Romanum mehr als beeindruckt. Auf Fotos sieht die Anlage schon klasse aus, aber live da drin stehen, die Hitze spüren, die Ruinen betrachten und dann sich bewußt machen, daß das über 2000 Jahre Geschichte ist – unglaublich. Interessant ist auch für mich, die Vorstellung, wie es damals ausgesehen haben könnte. Es gibt unzählige Bücher dazu in Rom, aber ich denke da liebend gern in meinem Kopf.

- Blick aus Kolosseum – Pastell
Nachdem ich durchs Forum durch bin (Kleiner Tipp, am Palatin im Forum gibt es fürs Kolosseum auch (Combi-)Karte, anstehen dauert da net so lange), bin ich weiter zum Monument des Vittorio Emanuel, Santa Maria in Cosmedian und Blick aufs Forum vom Circus Maximus aus. Auf dieser Langgezogenen Straße war es sehr ruhig und ich konnte dort auch etwas länger im Schatten unter einer Allee verweilen, und hab hier ein paar Aquarellskizzen gemacht und bin dann zurück zum Kolosseum. Wieder am Kolosseum bin ich recht zügig rein gekommen, weil es doch schon gegen Spätnachmittag 16:00 Uhr war. ERstaunt war ich, dass die mein Monstrum von Rucksack durch den Durchleuchtkasten überhaupt durchgelassen haben.
Endlich im Kolosseum drin hab ich mir viel Zeit gelassen, das ganze erst mal wirken zu lassen, Mauern, Böden Bögen, alles nach Möglichkeit völlig in mich aufnehmen. Vielleicht ging s den einem oder anderen auch schon so, aber ich hab im Geiste sogar Menschenjohlen gehört, als ob da wirklich noch das Antike Rom wär. Im Kolosseum selber hab ich dann noch 3 Skizzen gemalt, eine vom Innenraum (wieder Kreide), eine von den Menschen im Innenraum (Paint Brush) und einen mit Blick aus dem Kolosseum raus (in Pastell). Was in Rom eine tolle Erfahrung war, die Menschen haben mir immer und überall Platz gemacht, damit ich in Ruhe malen konnte. Viele sprachen mich auch an, aber jeder war peinlichst darauf bedacht, ja nicht im Blick zum Motiv zu stehen. So etwas habe ich bisher nur in Italien erlebt, in Deutschland leider das Gegenteil. Als ich mich dann endlich von dem ganzen alten Rom trennen konnte, war es dann schon fast 19:30.
Tag 2:

- Vatikan St. Peter Paint-Brush
Vatikan. Wenn ich eine Skizzentour mache, überlege ich mir sehr wohl auch die Route und die Zeiteinteilung, plane mir aber immer viel Spielraum ein. War gestern ausschließlich altes Rom dran, geisterte ich an diesem Tag nur im und um den Vatikan herum. Weil ich auch weiß, dass im St.Peter ab 9 die Hölle los ist, wollte ich so früh, wie möglich dort sein. Das hieß so um 6:00 aufstehen, ab zur Metro und gen Vatikan rasen. Interessant sind auch immer wieder die Menschen, die mir begegnen. Dieses Mal war es ein älterer Italiener, der kein Wort englisch oder Deutsch konnte, mich aber väterlich zum Vatikan begleitet.
7:05 Uhr, ich endlich im St. Peter, nur um vor dem Anblick gleich mal ganz ganz klein zu werden. Die Kirche ist das gewaltigste, was ich je gesehen habe, also gleich mal einen scharfen Haken nach rechts zu Michelangelos Werk Pieta. Leider oder Gottseidank hinter Glas geschützt, aber schlecht zu bestaunen. Nun gut, dann ab in die Mitte und stelle fest Sitzplätze Mangelware. Aber zum Glück vorne im Altarraum Bänke, wovon ich gleich mal eine besetzte und los zeichnete. Es wurden 4 Innenansichten der Nischen, des Baldachins und Altar, alles in farbigen Pastellen. Ein Ruf lenkt mich ab und ich sehe einen Angestellten des Vatikan gestikulierend aber höflich auf mich zu kommen. Er fordert mich auf zu gehen. Eins sei hier noch vermerkt, egal, wer vor mir steht, mich weg von meinem Motiv OHNE Vollendung der Zeichnung oder des Bildes zu scheuchen, schaffst niemand. Und genauso durfte ich mein Bild vollenden, ehe ich dann in Ruhe ging. Was soll ich sagen, die „Römer“ haben vor Künstlern wirklich Respekt
Nächste Station Kuppel. Uff, hab ich vergessen zu erwähnen, daß mein Rucksack gute 5 Kilo wog, und das Teil in den höchsten Punkt der Kuppel, eine winzig schmale Wendel- und Treppe teilw. in Schräglage dort rauf zu schaffen… uff. Belohnung: Ein gigantischer Ausblick auf Rom. Hab auf dem Runterweg noch einen Halt auf dem Dach von St. Peter gemacht, dort oben hab ich dann noch ein Skizze der Kuppel und der Heiligenstatuen angefertigt – beide wieder in Kreide.
Als ich mich endlich von St. Peter trennen konnte (kennt ihr daß, wenn man einfach da bleiben und staunen und schauen will…) war es 10:15. Da rief schon das nächste, das Vatikanmuseum, Aber kaum war ich, ergriff ich gleich wieder die Flucht, eine Schlange von 2 km (um die Uhrzeit schon!!! Die öffnen um 10:00 Uhr!) war dort. Also wieder umdisponiert und den schönsten Ausblick auf St. Peter gesucht. Gefunden mitten auf der Straße zur Engelsburg. Aber da war zum Glück in der Mitte eine lange Gehweg-Straßenbegrenzung, so daß mein Sitzplatz unter eine schattigen Palme gleich mal gesichert war. Skizze in Aquarell, einfarbig grau.

- Engelsburg Rom – Tusche
Dann weiter zur Engelsburg, die am Montag leider zu hatte. Also ich auf die Brücke in eine Schattige Nische, einen Engel (Tusche), nochmal St.Peter (vasservermalbare Kreiden, teilw. Wasservermalt) und eine Ansicht der Engelsburg in Aquarell, 2-farbig gemalt. Mittlerweile war es Nachmittag 13:00 uhr, also wollte ich nochmal mein Glück in den Museum versuchen, und ich hatte Glück. Die Schlange war nur noch 500 meter lang und nach ca. 20 Minuten Sonne war ich drin.
Und dann der Schock, malen ist da drin Essich. Ein Geschiebe und gedränge und der Weg führt stur durch die Hallen durch. also ich mich tapfer das malen verkniffen und mich voll und ganz auf Bruder Fotoapparato verlassen. Konnte mich hier also voll und ganz auf die Werke Raffaels, Michelangelo und co konzentrieren und genießen. Es ist ein Erlebnis, Raffaels Alte Schule Athen selbst zu sehen, oder ein paar Werke von Dali. Am beeindruckensten ist aber die Capella Sistina. Die Höhe der Decke ist schon unglaublich, geschweige denn die Malereien Michelangelos darin und die Tatsache, daß der Knabe das noch zu seinen Lebzeiten gemalt und fertig gebracht hat, sind immerhin 900 qm, die er da bemalt hat!! Schade nur, daß es in der Kappele eine solche Messenflut ist, daß dort mit genießen net so richtig funktioniert. Zumal permanent eine Bandansage läuft, daß Ruhe gehalten werden soll, nur um alle 2 minuten wieder Geschnatter mitzubekommen. Aber dennoch hab ich leicht fast eine Stunde ausgehalten, weil ich mich wiedermal nicht trennen konnte.
Gut, 16:00, ich stehe wieder am Petersplatz und zückte endlich wieder den Stift. Ansicht, was sonst, Peters Dom – diesmal mehr Details in Paint Brush, dann den Obelisken und die Arkaden, auch in Paint Brush. Mittlerweile 17:30, was nun! Also ich nochmal in St. Peter, denn die Papstgräber stehen ja noch aus. Also wieder rein, runter in die Krypta und zum Abschluss nochmal in die Basilika. Und es hat sich gelohnt, zweimal reinzugehen. In der früh kam das Licht über die Fenster im Eingangsbereich rein, jetzt abends aus den Fenstern der Kuppel – ein so traumhaft schöner Anblick.
Tag3:

- Piazza Del Popolou- Aquarell
Heute ist der Rest von Roms Highlights dran.
Also diesmal um 7 aufgestanden und zuerst zur Santa Maria della Vittoria, um eins von Berninis Werken zu bewundern, die Verzückung der hl. Theresa (ja, ich hab Illuminati auch gelesen
) und weiter zum Fontana die Trevi. Auf dem Weg dorthin eine Brasilianerin kennengelernt, die fast halb Europa in 2 Wochen durchmacht. Weiter ging es nach drei Skizzen und der obligatorischen Münze über die linke Schulter zur Spanischen Treppe, wo ich neben der Via Condotti, der Einkaufsmeile Rom, wo sich Prada und Gucci tummeln auch zwei schöne Motive zum Zeichnen gefunden habe, Ansicht auf den Brunnen und Ansicht auf den Piazza. Nächste Station Piazza del Popolo und die S. Maria del Popolo mit der Chigikapelle. Meine letzten Stunden brechen an. Also ab zum Piazza Navona, dort wo italienische Künstler ihre Ölwerke präsentieren. Dort hab ich mich mit einem Unterhalten – Georgo. Kommt aus Ägypten und lebt seit 26 Jahre in Rom. Hat mir dann noch ein paar Sehenswerte Tipps von Rom gegeben, die ich beim nächsten Mal durchmachen werde. Die vorletzte Skizze von Rom war der unglaublichste Kuppelbau Roms, das Pantheon. Und was für ein Pech, der Ideale Platz zum malen war das Cafe links davon. Tja, eine ideale Zeit für einen herrlichen italienischen Cappuccino – oder?

- Pantheon .- Paint Brush
Die Uhr tickt und ich will nochmal das Kolosseum mitnehmen, und eine Detailskizze der gesamten Ansicht machen (das erste Bild dieses Blogs). Also vorm Kolosseum meinen Aquarellkasten gezückt, Und losgelegt – diese Skizze ist farbig und hat bisher am längsten gedauert – besonders weil mehrere Italiener mich ständig gefragt haben, was es kosten soll und zum plaudern angefangen haben….
ab zum Hotel und mit dem 18:22 Uhr zog gen Airport gedonnert.
So, das war mal ein Eindruck in einer meiner Skizzentouren. Nachahmen erlaubt, aber nicht nach malen.
Viele Grüße
Andrea
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